Samstag, 4. Juli 2015

[Rezension] „Stimmen“ – Ursula Poznanski


Es ist der dritte Fall des Ermittlerteams Beatrice Kaspary und Florin Wenniger. Diesmal führt uns die Bestseller-Autorin Ursula Poznanski hinter die Mauern einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung. Dabei überzeugt sie mit interessanten Figuren, an die spannungsgeladenen Finals ihrer ersten beiden Thriller kann „Stimmen“ jedoch nicht anknüpfen.



Der Tod eines jungen Arztes gibt Beatrice und Florin zunächst Rätsel auf. Nicht nur dass seine Leiche auf rituelle Weise mit Gegenständen verziert worden ist, darüber hinaus hilft auch die Zeugenaussage des Mannes, der ihn gefunden hat, nur mäßig weiter. Dieser leidet nämlich an einer Form der Schizophrenie. Er hört Stimmen und hat mal eben einen Teil der Blutlache aufgeleckt, weil diese es ihm befahlen.

Unglaublicher Komplott


Eine Reihe von Verhören steht nun an. Da wäre die Borderline-Patientin Maja. Sie erzählt pausenlos von sexuellen Handlungen zwischen Patienten und Pflegekräften. Beatrice und Florin sind sich nicht schlüssig darüber, ob ein Teil ihrer Schilderungen der Wahrheit entspricht. Eine andere Patientin redet hingegen gar nicht, sondern starrt Löcher in die Luft. Ausgerechnet ihre Fingerabdrücke aber finden sich auf dem Leichendekor.
Doch scheinen die Dinge auch noch so verworren, auf ihre Intuition kann sich Beatrice Kaspary verlassen. Und so kommt sie in kleinen Schritten einem schier unglaublichen Komplott auf die Spur.

Menschliche Abgründe


Wer bisher dachte, nach „Fünf“ und „Blinde Vögel“ ginge es nicht grausamer, der irrt. Auch in diesem Fall treibt Poznanski die menschlichen Abgründe auf die Spitze. Diesmal aber geht sie deutlich psychologischer vor. Zwar gerät die Ermittlerin Beatrice aufgrund ihrer eigenen Unvorsichtigkeit erneut in Lebensgefahr, wirklich bedroht aber wähnt man sie nicht.

An die Stelle eines packenden Showdowns tritt beim Lesen am Ende Ernüchterung. Doch nicht aus Enttäuschung, sondern weil der Plot, der Anleihen aus Fällen wie Natascha Kampusch oder Josef Fritzl nimmt, kaum etwas anderes zulässt. Vieles werde jetzt ganz bestimmt besser, verspricht Beatrice am Ende der Hauptleidtragenden. Schwer zu glauben, dass das nach all der erlittenen Qual für diese Frau überhaupt noch möglich ist.


   

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