Samstag, 28. Dezember 2013

Gut gebrüllt, Löwe?

Wer kennt das nicht: Du findest dich in einer unangenehmen Gesprächsituation wieder und ziehst ob der Gewieftheit deines Gegenübers leider den Kürzeren. Dabei bist du dir sicher: Du hast gute, wenn nicht sogar weit bessere Argumente. Dennoch bleibt dir angesichts der Eloquenz des Gesprächspartners die Spucke weg. Und die richtig guten Antworten, die fallen dir natürlich erst hinterher ein.

Nicht immer hat der Löwe, der lauter brüllt, mit dem, was er sagt, auch automatisch recht. Oft aber sitzt er leider am längeren Hebel. Besonders frustrierend ist dies dann, wenn du zudem den Eindruck gewinnst, hier wird nicht auf Augenhöhe mit dir kommuniziert, weil es auch eigentlich um etwas vollkommen anderes geht.

Moderne Gesprächstechniken lehren vielerlei Methoden. Debattierclubs schießen aus dem Boden. Und die unangenehme Eigenschaft, stets das letzte Wort behalten zu wollen anstatt einen Denkfehler zuzugeben, lässt die Kreativität eingefleischter BWL-Hirne in ungeahnte Höhen wachsen. Die Möglichkeit, neben der erdachten noch eine weitere Lösung ins Auge zu fassen, fällt dabei oft genug aus dem eingeschränkten Sichtfeld heraus.

Samstag, 5. Oktober 2013

Übersetzbarkeit

Schwierig ist nur, was du nicht kannst. Einfach erscheint, was einem selber selbstverständlich ist. Manchmal habe ich den Eindruck, kaum etwas ist gleichermaßen schwierig und notwendig wie eine gute Kommunikation. Aber was genau versteht man darunter? Alles zu sagen, was einem wichtig ist? Die richtigen Dinge auch mal weg zu lassen? Den passenden Ton zu treffen? Den perfekten Zeitpunkt? Den unmissverständlichen Wortlaut, so es ihn denn überhaupt gibt?

Schon im Studium habe ich mich intensiv mit dem Problem der Übersetzbarkeit beschäftigt. Wenn zwei Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen, ist dieses offensichtlich. Vokabeln allein machen keine Sätze. Grammatikalisch korrekte Sätze schaffen noch kein Gespräch. Einleuchtend irgendwie.
Kompliziert wird es dann, wenn du zwar glaubst, die gleiche Sprache zu sprechen, dies aber nur auf den ersten Blick der Fall ist. Die Vorstellung von ein und demselben Begriff kann, je nach Kontext und persönlichem Erfahrungsschatz, weit auseinander gehen. Ebenso die Bewertung dessen, was wichtig ist und welchen Dingen man weniger Bedeutung verleiht.

Mittwoch, 11. September 2013

[Rezenion] Ratgeber: "Jakobsweg im Smoking" - Philipp Winterberg

Mit nur drei Kilo Gepäck beschritt Philipp Winterberg den Weg der Wege. Unter der Devise "Alles, was nötig ist, aber kein Gramm zuviel" testete er im Vorfeld seiner Tour gängiges Hyperlight-Equipment und stellte seine ganz persönliche "perfekte Packliste" zusammen. Und die ist wirklich effizient. Ich weiß nicht, ob ich jemals den Jakobsweg gehen werde. Aber auch für andere Wanderungen sind die Tipps von Philipp Winterberg Gold wert. 


Montag, 5. August 2013

[Rezension] "Mias wundersame Reise" von der Familie Helg

Die CD "Mias wundersame Reise" ist eine echte Familienproduktion. Der Musiker und Musiktherapeut Steve Helg und seine Frau Kathrin Helg aus Warburg haben die Geschichte zusammen mit ihrem Sohn Leif erdacht und gemeinsam in die Tat umgesetzt. Hier waren folglich nicht nur Musiker und Pädagogen am Werk, sondern mit Leif auch ein "echter" Kinder-Experte.

Und darum geht's: Der Rattenfänger bringt Mia auf dumme Ideen. Seine Musik wirkt auf das Mädchen derart betörend, dass sie gar nicht anders kann als ihm aus der Stadt heraus zu folgen. Schnurstracks verliert sie die Orientierung und findet sich plötzlich mitten im Wald und fernab von daheim. Wie soll Mia jetzt nur den Weg zurück finden? Wer kann ihr helfen? Und wie kann es gelingen, all die anderen Kinder zu befreien, die ebenfalls auf die Tricks des Rattenfängers herein gefallen sind? Eine aufregende Suche beginnt - Mitmachlieder inklusive.


Donnerstag, 30. Mai 2013

Kurt Drawert in Münster

Am vergangenen Freitag erlebte ich eine Lesung des Autors Kurt Drawert. Er zählt zu den erfolgreichsten und laut Kritik auch besten Lyrikern unserer Zeit. Ob solche Kategorisierungen weiter helfen, vermag ich nicht zu sagen. Dass es ein beeindruckendes Erlebnis war, ihn zu treffen, vermag ich schon zu sagen. Denn er las nicht vor Fachpublikum oder interessierten Erwachsenen, sondern tat dies im Rahmen des Lyrikertreffens in Münster zunächst vor einem Deutschleistungskurs. Und das war schon etwas ganz Besonderes.

Der Lesung einiger lyrischer Texte, vor allem aber auch den Auszügen aus seiner Poetik "Schreiben. Vom Leben der Texte" schickte er einige persönliche Worte voraus. Den Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit markiere ein für ihn "existentielles Erlebnis", erzählte er. Was er selbst als Schüler mit überdurchschnittlichen Noten für unmöglich hielt, wurde bittere Realität. Weil er als rebellischer junger Mensch in der DDR nicht mit der Masse schwamm, nahm man ihm dort die Möglichkeit einer akademischen Laufbahn.

Montag, 4. März 2013

Ratgeberliteratur zur Borderline-Persönlichkeitsstörung

Als mir der Begriff "Borderline" zum ersten Mal begegnete, konnte ich nicht das Geringste damit anfangen. Er schien mir aber der entscheidende Schlüssel zu sein für eine unerträgliche Situation, in der ich mich befand. Ich tat also, was ich immer tat, wenn ich etwas nicht verstand: Ich betrat die Bücherei und recherchierte. Tatsächlich fand ich einen ganzen Haufen Literatur zum Thema, was mir die Augen öffnete. Beinahe die ganze Nacht hockte ich über den Büchern. Ich las und las, bis mir die Augen zu fielen. In den folgenden Tagen ging es mir nicht anders. Zusammenhänge, die vollkommen irrational erschienen, wurden mir klarer und Reaktionen, die ich bei mir selber nicht nachvollziehen konnte, erklärten sich ebenfalls. Ich fühlte mich verstanden. Und, daraus resultierend, war ich in der Lage, eine gesunde Entscheidung für mich zu treffen. Das ist jetzt beinahe elf Jahre her.

Mittwoch, 27. Februar 2013

"Schiffbruch mit Tiger" - Buch & Film

Es ist eines meiner erklärten Lieblingsbücher. Kaum eines habe ich schon so oft in der Hand gehabt wie dieses. Und ich denke, es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich ihn in diesem Frühjahr zur Hand nahm, den Tiger. Anlass diesmal war die Verfilmung "Life of Pi" unter der Regie von Ang Lee, der mich zuletzt 2005 mit seinen poetischen Bildern in "Brokeback Mountain" beeindruckt hat.
In der Regel versuche ich, vor Literaturverfilmungen die Buchvorlage zu lesen. In diesem Fall kannte ich sie bereits, habe sie mir aber durch erneute Lektüre noch einmal ins Bewusstsein gerufen. Was genau war es denn nochmal, das mich derart in diese Geschichte zog?
Das Buch besteht aus drei Teilen, die sich inhaltlich stark voneinander absetzen. Im ersten Teil wird die Herkunft der Hauptfigur Picine Monitor Patel, genannt Pi, erzählt. Er wächst in Indien in einem Zoo auf und ist von Kindheit an mit den Verhaltensweisen der Tiere mehr als vertraut. Beispielsweise lernte ich durch die Lektüre, das Revierverhalten besser zu verstehen. Tiere, so lehrte mich Pi, halten sich gern im Vertrauten auf. Und wenn sie mal ausbrechen, kehren sie oft genug zurück. Sie wünschen sich feste Stukturen und klare Hierarchien. Dass ihm diese Erkenntnis später das Leben retten wird, ahnt der Junge zunächst noch nicht.


Sonntag, 13. Januar 2013

[Rezension] "Der träumende Delphin" - Sergio Bambaren

Weil ich so gut gelaunt bin und auch ein hünsches Büchlein fürs Herz besprechen wollte, hab ich wieder einmal tief in die Kiste meiner aussortierten Bücher gegriffen und eine kleine Delphin-Geschichte hervor gezaubert. Sie ist dünn, sie ist groß bedruckt und es gibt sogar Bilder im Innern. Und natürlich jede Menge weltverbesserischer Sinnsprüche - na wenn das nichts ist!