Montag, 6. Februar 2012

Wer andern Ärger rauf beschwört...

Wenn in Zeiten des Internets, der privaten Blogs und des Self-Marketings verschiedene Meinungen aufeinander stoßen, kann es schon mal heiß her gehen. Jaja, die Zeiten haben sich geändert. Jeder kann/darf/schreibt/schwallt wie und wo er will, gibt mehr oder weniger eloquent seine Meinung zum besten und sich selbst oft gleich mit. Das kann einem schon mal bitter aufstoßen.

So erging es dem Autoren John Asht, als er feststellen musste, dass sein Werk "Twin-Pryx. Zwillingsbrut" nicht bei jedermann auf Gegenliebe stößt. In seinem Zorn über die offene Meinungsäußerung der Bloggerin Myriel geriet er derart in Wallung, dass er nun seinerseits der Kommentarfunktion frönte und einen bitterbösen Kommentar auf dem Blog hinterließ. Dem nicht genug: Es folgte ein zweiter und auch seine Verlegerin schaltete sich nun rügend ein. Wie könne man ein Buch bewerten, welches Myriel doch, wie sie selber zugäbe, nicht einmal zuende gelesen habe. Sie sei - ich fasse das mal an dieser Stelle mit eigenen Worten zusammen - nicht qualifiziert genug für ein Urteil über das Werk und habe nun mit juristischen Konsequenzen zu rechnen.



Seltsam nur, dass die Kommentare der verärgerten "Zwillingsbrut"-Verteidiger viel unschöner anmuten als deren Auslöser. Auch ich hätte wohlmöglich nie auf Myriels Blog gefunden, hätte mich die nachfolgende Diskussion nicht darauf aufmerksam gemacht. Was aber sind daraus nun für Schlüsse zu ziehen?

Es darf an dieser Stelle festgehalten werden, dass Myriel mit ihrer Meinungsäußerung wahrscheinlich keine juristischen Konsequenzen fürchten muss. Im Gegensatz zu den Kommentaren des Autors hält sie sich mit Bemerkungen zu seiner Person zurück und schreibt frei heraus, auf welcher Grundlage sie ihr Urteil fällt: auf der Tatsache nämlich, dass sie nicht mehr als 90 Seiten beurteilen kann. Danach nämlich verging ihr die Lust...

Dass es einem Autor nicht immer schmeckt, negative Äußerungen zu seiner Schreibe zu lesen, ist verständlich. Und je weniger er sich mit seinem Gegenüber auf Augenhöhe wähnt, desto mehr mag es ihn quälen. Andererseits könnte er dann ja auch getrost darüber stehn, oder nicht? Wer sich mit seinem Werk einer Öffentlichkeit präsentiert, muss mit Kritik rechnen. Die Auswahl derer, die das Werk letztlich beurteilen, obliegt dem Autoren leider nicht. Oder sehr zum Glück! - Das ist wohl eine Sache der Perspektive.

Generell hat sich die kulturelle Landschaft, somit auch die Welt der Bücher, Schreiberlinge und Verleger, sehr verändert und an Möglichkeiten der Kommunikation gewonnen. Viele Verlage haben das Potential bereits erkannt, das in der Vielfalt der Blogger-Szene steckt und in diversen Bücherforen entfaltet wird. Meinung wird nicht mehr allein im Feuilleton gemacht, die junge Zielgruppe steckt ihr Nase nicht in Zeitungen. Der Sozial Media Bereich hat enorm an Bedeutung gewonnen.

Wer sich mit Marketing beschäftigt, lernt seine Ziele klar zu definieren, Zielgruppenmilieus genauer unter die Lupe zu nehmen und entsprechende Strategien zu entwickeln, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Sich die Augen auszuweinen und die guten alten Zeiten herbei zu sehnen, womöglich Mitglieder einzelner Milieus zu denunzieren und ihnen Verschwörungstheorien anzudichten, scheint mir hierbei keine adäquate Maßnahme zu sein.

Wer neugierig geworden ist, dem sei hier der Weg auf Myriels Blogeintrag verlinkt. Ebenso aufschlussreich an dieser Stelle John Ashts Ausführungen zum Thema. Möge sich jeder selbst eine Meinung dazu bilden. Ich jedenfalls werde mir keine Rezension zu Ashts Buch erlauben. Schließlich habe ich es nicht gelesen und werde dies aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht tun.

Kommentare:

  1. Schön zusammengefasst, allerdings finde ich es schon schade, dass nun allenorts die Blogger sich genötigt sehen, sich zu rechtfertigen, dass sie keine Rezension zu "John Asht"'s Buch schreiben werden, weil sie es nicht gelesen haben.
    Das hat für mich schon den Beigeschmack eines Einknickens ... Jede Rezension ist subjektiv, und jeder darf seine Meinung frei äußern, solange es zu keinen Beleidigungen führt. Und wenn man dann ein Buch nur anhand einer Leseprobe oder einer Auswahl von ein paar Seiten bespricht, dann ist das eben so. Dann können sich nachher weder Verlag noch Autor darüber beschweren, denn das hätten dann die Seten sein können, die man lektoriert und redigiert.

    Freilich geht es gar nicht darum, etwas zu besprechen, was man nicht gelesen hat, aber es ist legitim und MUSS weiterhin erlaubt sein, etwas zu besprechen, das man auch nicht ganz konsumiert hat.

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  2. Hallo Anonym! In der Tat gebe ich dir recht! Mein letzter Satz ist an dieser Stelle auch weniger eine Rechtfertigung als vielmehr meine Konsequenz aus dem, was ich in der letzten Zeit bereits von Herrn Asht an Meinungsäußerungen gelesen habe... ;)

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