Dienstag, 29. November 2011

[Rezension] "Brief an mein Leben" - Miriam Meckel

Wann hast du dir das letzte Mal Zeit genommen, aus dem Fenster zu sehn? Einfach nur da zu sitzen, ohne Arbeit in der Hand zu halten, ohne eine konkrete Gedächtnisaufgabe, ohne die Überlegungen zum Ablauf des weiteren Tages. Einfach nur schauen und die eigene Gegenwart erspüren. Was empfindest du, wenn du es versuchst? Unruhe, Ungeduld, ein schlechtes Gewissen vielleicht? Oder auf der anderen Seite Gelassenheit, Ausgeglichenheit, Erleichterung, einmal nichts tun zu müssen? Vielleicht auch irgend etwas dazwischen.

Der Blick aus dem Fenster ist der Ausgangspunkt, von dem aus uns Miriam Meckel mit nimmt in ihre Erfahrungswelt. Nach einem Burnout befindet sie sich in einer psychosomatischen Klinik in Süddeutschland. Ihre Aufgabe klingt einfach: Sie soll ein Wochenende lang allein sein, aus dem Fenster schauen und sich selbst dabei beobachten. Was macht diese Erfahrung mit ihr? Welche Empfindungen steigen in ihr auf? Welche Gedanken überfallen sie dabei? Kommunikation ist nicht erlaubt. Kein Handy, kein Computer, keine Gespräche. Auch keine Musik und keine Bücher. Einzig Stift und Papier. Und sie tut es. Erst widerwillig, dann mit immer größer werdendem Interesse. Sie sitzt, sie beobachtet sich, sie hardert, sie erträgt die Unruhe, sie horcht auf die Stimmen in ihrem Kopf und sie reflektiert. Und schließlich schreibt sie einen Brief an ihr Leben.


Freitag, 30. September 2011

[Rezension] "Das Buch der verlorenen Dinge" - John Connolly

Was zunächst als hübsch gestaltetes und märchenhaft anmutendes Jugendbuch daher kommt, hat es in diesem Fall ganz schön in sich. In seinem Roman "Das Buch der verlorenen Dinge" schafft John Connolly eine grausam-mystische Phantasiewelt. Hier trifft Realität auf Märchen, Märchen wird zum Spiegel nicht zu ertragender Realität.


Freitag, 23. September 2011

[Rezension] "Leeres Versprechen" - Evelyn Barenbrügge

Ich gebe zu, die Phase, in der ich historische Romane am Fließband las, liegt eine ganze Weile zurück. Ich bin auch nicht sicher, ob ich "Leeres Versprechen" überhaupt entdeckt hätte, wäre da nicht der sympathische Auftritt der Autorin auf der Mainzer Minipressen-Messe gewesen. Das ist wohl das Schicksal der Klein- und Kleinstverlage, dass sie in der Masse der Neuerscheinungen leicht übersehen werden. Aber so ist es ja oft, das einem der Zufall manch ein Buch vor die Füße spült. Diesmal also jenes hier:
Barenbrügge entführt uns ins 18. Jahrhundert. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der sympathische und nach einem Unfall in seiner Kindheit gehandicapte Bauernjunge Kaspar. Kaspar ist vierzehn Jahre alt. Mit seiner Familie bricht er aus dem durch Missernten und Steuererhöhungen gebeutelten Westfalen auf, um in Österreich ein besseres Leben zu beginnen. Die Reise, die er voller Hoffnung antritt, endet jedoch in einer Katastrophe. Und auch die Versprechungen der österreichischen Obrigkeit auf ein reiches und sorgenfreies Bauernleben in der neuen Heimat stellen sich als leere Worthülsen heraus. Gerade als die Familie sich mit den erschwerten Bedingungen arrangiert hat, bricht eine Tragödie über sie hinein, die Kaspar den Boden unter den Füßen wegzuziehen droht.


Samstag, 3. September 2011

[Rezension] "Der dunkle Wächter" - Carlos Ruiz Zafón

"Cravenmoore - so heißt das geheimnisvolle Anwesen am Meer, auf dem der Spielzeugfabrikant Lazarus Jann mit Hunderten mechanischer Figuren lebt. Schnell wird klar: Cravenmoore ist ein Ort voller Abgründe. Dunkle Schatten jagen durchs Haus, im Wald treibt eine mächtige Kreatur ihr Unwesen und vom Leuchtturm drohen die rätselhaften Septemberlichter. Als Irene und ihr neuer Freund Ismael dem Geheimnis um Lazarus Jann auf die Spur kommen, ist es fast zu spät: Dieser Sommer könnte ihr letzter werden..."


[Rezension] "Ohrfeige für die Seele" - Bärbel Wardetzki

Was ein Mensch als Kränkung erlebt, hängt in besonderer Weise von seiner individuellen Geschichte ab. Sicher, es gibt Kränkungen, die jedem nachvollziehbar erscheinen, aber eben auch andere, die ein Verhalten hervor rufen, das Außenstehende, bisweilen sogar Betroffene selber überrascht. In ihrem Buch "Ohrfeige für die Seele" berichtet Bärbel Wardetzki von Kränkungen und ihren Ursachen, die meist schon in der frühen Kindheit ihre Wurzeln haben.

Mittwoch, 24. August 2011

Neue Rezi zu Heartliners: "Unterhaltungsroman mit dem gewissen Etwas"

Und gleich noch eine positive Stimme zu den "Heartliners" gibt es zu vermelden:

"Schluss mit dem Vampirschnulz

Es geschehen Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich nur schwer erklären lassen. Wo kommt zum Beispiel der Vampirhype der letzten Jahre her? Stichwort Twilight-Saga. Edda Klepp bringt es auf den Punkt. In „Heartliners“ nimmt sie die Trilogie mächtig aufs Korn und rechnet gleichzeitig mit so manch schrägem Charakter aus der Theaterwelt ab, in der sie seit Jahren tätig ist. In dem Buch geht es um den jungen Richard Löning, den es unerwartet von der Dinkelsbühler Bühne nach Hollywood verschlägt. Ihm fällt die Hauptrolle in einem romantischen Zombiefilm in den Schoß, und er wird über Nacht zum laut umkreischten Star. Begleitet wird Richard auf seiner Odyssee durch den Filmdschungel stets von einem unsichtbaren Frettchen, welches das Buch mit seinen unerwünschten Kommentaren ebenso bereichert wie der allgemeine Schreibstil Klepps. Das Buch platzt beinahe vor Ironie, ist einfach anders und ein Unterhaltungsroman mit dem gewissen Etwas. (cm)"

Erschienen in der Märkischen Allgemeinen Zeitung

Stimmen zum Roman "Heartliners"

"Der Roman Heartliners über eine Zombieromanverfilmung verbindet eine böse Satire auf den Landestheatermief mit Zitaten aus der Glamourwelt der Bis(s) Romane. [...] Größenwahn gepaart mit Unfähigkeit hat Methode und das vom Portier bis zum Intendanten.[...] Insgesamt gelingt der jungen Autorin Edda Klepp in ihrem Erstling „Heartliners“ eine in Teilen amüsant zu lesende Satire auf Theater und Showbizz."
(suite101
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Heartliners

Donnerstag, 11. August 2011

[Rezension] "Verwandlungen" - Linda Entz

Ein Mann, dessen Anatomie sich dank übermäßigen Fußballkonsums erschreckend verändert, eine Gruppe von Kunstexperten, die unter den Schichten künstlerischen Ausdrucks verschwinden, ein unangenehm anhängliches Buch, das sich an die Fersen eines Nichtlesers heftet - das sind nur einige der Gestalten, denen man in den Kurzgeschichten von Linda Entz begegnet.


Montag, 20. Juni 2011

[Rezension] "Gut gegen Nordwind" - Daniel Glattauer

Ein Zufall spielte mir auf einem Tisch reduzierter Ware dieses Büchlein in die Hände. Ein Zufall ist es auch, der die beiden Protagonisten dieses besonderen Romanes zusammen führt.
Emmi Rothner möchte eigentlich nur eines, ihr Zeitschriftenabo endlich kündigen. Ein verirrter Buchstabe lenkt ihre Nachrichten jedoch nicht an die Redaktion des Like-Magazins, sondern zu Leo Leike. Leo antwortet zunächst sehr sachlich und knapp. Als sich nach Monaten weitere Versehensmeldungen bei ihm einfinden, entwickelt sich aus der virtuellen Zufallsbekanntschaft ein aufregender, humorvoller und sinnlicher Dialog, der seinesgleichen sucht.


Samstag, 18. Juni 2011

Lesen reloaded

In der letzten Zeit lese ich immer häufiger Bücher, die mir gefallen oder etwas Bestimmtes in mir angestoßen haben, ein zweites oder drittes Mal. Früher konnte ich das nicht. Viel zu stark war das Gefühl, ich könnte unter den noch ungelesenen Exemplaren etwas Lohnenswerteres besitzen und folglich etwas Entscheidendes verpassen.
Das führte auch dazu, dass ich mir mittlerweile ein enormes Lesetempo angeeignet habe. Der Vorteil dabei ist: Ich bin eine Meisterin im Querlesen und Überfliegen, kann also innerhalb kürzester Zeit erfassen, ob mir beispielsweise ein Sekundärtext für meine Recherchearbeit nützlich ist. Zudem gelange ich in Romanen rasant zum großen Finale und muss mich nicht allzu lange mit der Frage beschäftigen, wie das Ganze wohl enden mag.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Mainzer Minipressen-Messe - Eine Nachlese

TAG EINS, Donnerstag 2. Juni 2011
Es ist 16h. Ich betrete zum ersten Mal das Zelt der Mainzer Minipressen-Messe. Ich bin hoch motiviert. Mit flockigem Schritt und fröhlich summend latsche ich siegessicher am Stand meines Verlegers vorbei und auf der anderen Seite des Zeltes wieder heraus. Hier gibt es Bratwurst. Auch ne Möglichkeit.
Ein erster Kontakt mit den netten Mädels an der Info hilft mir bei der Vertiefung meiner Ortskenntnisse. Verleger Friedo sitzt entspannt am Stand und liest eines seiner selbst verlegten Bücher. Ich vermute, er kennt den Inhalt bereits.
Wir stellen fest: Wir freuen uns, uns zu sehen, um 17h habe ich im Lesezelt zu lesen und die Pazifisten vom Stand nebenan verfügen über eine farbenreichere Dekoration. Dafür haben wir mehr Bücher als die. Also alles im grünen Bereich.

Dienstag, 7. Juni 2011

[Rezension] "3096 Tage" - Natascha Kampusch

Die Geschichte der Natascha Kampusch ist hinlänglich bekannt. Entführung. Kellerverlies. 3096 Tage. Selbstbefreiung. Entführer tot. Die Medien haben bis ins letzte Detail spekuliert, jede Silbe seziert, gedeutet, überwacht und dokumentiert. In Internetforen äußern freie Bürger hämisch ihre freie Meinung (- ohne Witz, einfach mal ein wenig googlen! -), denn: Ganz klar, wir wissen doch alle, wie sich ein Opfer zu verhalten hat! So jedenfalls nicht. Gefälligst! Oder Verschwörungstheorien: Das Schreckliche, das uns so anmacht, uns Gänsehaut verspricht, ist noch nicht schrecklich genug. Oder oder oder: Die hätte sich doch sicher eher befreien können. Sowas! Jedenfalls: Wer braucht bitte dieses Buch!? Und zack!: Was (sich) nicht (an)passt, wird passend gemacht! Schublade zu. Geht uns schließlich nichts an.


Mittwoch, 1. Juni 2011

[Rezension] "Kristallpalast" - Oliver Plaschka

Es ist mein erster Ausflug in ein Genre, das mir persönlich erst vor einigen Monaten begegnet ist, auf der letztjährigen BuchmesseCon in Dreieich nämlich. Dort hatte ich die Freude, einer Lesung Oliver Plaschkas aus seinem Roman "Kristallpalast" beizuwohnen, einem Vertreter der Steampunk-Schreiberlinge. Wikipedia erklärt das Genre folgendermaßen: "Steampunk ist unter anderem ein literarisches Genre, in dem eine oftmals dystopische, zumeist im viktorianischen Zeitalter angesiedelte, kontrafaktische oder virtuelle Geschichte beschrieben wird. Steampunk wird als eine Variante der Science-Fiction bezeichnet und zählt allgemein zur Kategorie der Alternativweltgeschichten."



Montag, 16. Mai 2011

"Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung" - Günter Grass

Gespannt griff ich vom Gabentisch "Grimms Wörter", welches von geliebter Mutterhand zur Weihnacht den Weg in mein Besitztum fand - die Geschichte der Gebrüder aufgearbeitet durch Günter Grass, von ihm gleichzeitig grafisch gestaltet und wortgewaltig umgesetzt.
Während Germanisten seit Generationen versuchen, dem Geheimnis des Grimm'schen Wort-Werkes mit wissenschaftlichen Mitteln beizukommen, grätscht unser Günter gekonnt zwischen die Jahrhunderte, setzt sich selbst mit den Herren in Bezug, gräbt sich durch das teils groteske Geäst Grimm'scher Wortfindungen, gebiert im Galopp gewitztes Gedankengut, grenzenlos geiles Gebrabbel und umgibt die Gebrüder mit - es sei ihnen gegönnt! - Glanz und Gloria. Eine wahre Gaumenfreude für Bibliophile!



Samstag, 14. Mai 2011

[fantastische Blogparade] Bücherfragen zum Welttag des Buches

Auf dem Blog "fantastischen Bücherwelt" fand ich folgende fünf Fragen für begeisterte Bücherblogger - eine Aktion zum Welttag des Buches. Nämlicher war bereits am 23. April, aber da die Blog-Aktion noch bis zum 15. Mai läuft, nehme ich mich hier mal deren Beantwortung an.

Donnerstag, 5. Mai 2011

[Rezension] "Middlesex" - Jeffrey Eugenides

"In einem kleinasiatischen Bergdorf fängt alles an. Ein junger Mann und eine junge Frau, Bruder und Schwester, fliehen vor den Türken nach Smyrna und, als die Stadt brennt, nach Amerika. Es ist das Jahr 1922. Auf dem Schiff heiraten sie und lassen sich später in der Autostadt Detroit nieder. Niemand ahnt das Geheimnis dieses Paares, doch nach Jahrzehnten hat der Tabubruch der beiden ungeahnte Folgen." - Soviel zum Klappentext...


Sonntag, 13. März 2011

Dies und Das und Günter Grass

Gut Grimm will Weile haben... Es hat das Potential, mein ganz privater Running Gag zu werden: mein Versuch, endlich Grass' "Grimm'sche Wörter" zuende zu lesen. Seit Januar prangt das Cover bereits links an der Seite dieses Blogs. "Ich lese gerade" verspreche ich dem World Wide Web mit Hinweis auf das Werk. In der Zwischenzeit allerdings ist mir mindestens ein halbes Dutzend Bücher dazwischen gekommen und die letzten hundert Seiten von uns' Günter mahnen mich meiner Vorsätze.

Samstag, 8. Januar 2011

[Rezension] "Eat Pray Love" - Elisabeth Gilbert

Sorry, Günter. Du mögest es mir verzeihen, dass ich deine Grimm'schen Wörter mal eine Weile aus der Hand gelegt habe. Mir ist da was dazwischen gekommen. Um genau zu sein, hat es mich angesprungen mit seinen wohltuend warmen Tönen auf dem Cover, es hat nach mir geschrien. Mit mir geflirtet und schließlich den Weg in meine Tasche gefunden. Ja, ich habs genau gehört: "Buy. Read. Relax." Besser bekannt unter: "Eat. Pray. Love."

Lesen und Schreiben hat ja doch viel mit der Situation zu tun, in der sich der Lesende/die Schreibende gerade befindet. Und so ist es ganz klar, dass mich dieses Buch augenblicklich so viel mehr anmachte als Grass' "Liebeserklärung" an die deutsche Sprache (und im Übrigen vor allem an sich selbst...). Kein Wunder also, dass ich nicht lange überlegt habe und mich hinein stürzte in die Lebensgeschichte einer Elizabeth Gilbert.

Die Geschichte handelt vom Unterwegssein auf der einen, von der Akzeptanz der eigenen Ängste und Schwächen, somit auch seiner selbst auf der anderen Seite. Vom Ankommen und Angenommen werden. Hallelujah! Treffer versenkt. Genau mein Thema.

Da sitz ich nun also, versunken in die Unbill privater und beruflicher Umbrüche, hin- und hergerissen zwischen Neugierde, Optimismus und positiven Sehnsüchten, aber auch (Selbst-) Zweifeln, Anlehnungsbedürftigkeit und Traurigkeit - und lese die Geständnisse einer Frau, die mit einer gehobenen Prise Selbstironie all diese Gefühle und Gedanken in Worte fasst, die ich zwar spüre, aber gerade nicht zu fassen bekomme, die mich durcheinander wirbeln und wund machen und denen ich mich stellen will.